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Vademecum , Seite 3 von 25

A.1.1 REM_ARS_1: Kanonische Notation, Kanonische Namen

Dieses Set umfasst die Arbeitsregeln für die Bildung von Kanonische Namen
+Einleitung
Kanonische Namen: REM kennt mehrere Namenstypen. Der Kanonische Name eines REM-Elements entspricht Regeln, die Mehrdeutigkeit vermeiden und eine effiziente Verwaltung seiner elementaren Komponenten und damit des REM.WB gewährleisten sollen.
Er setzt sich, wo immer möglich, aus bereits vorhandenen Kanonischen Namen zusammen, um die terminologische Vielfalt des REM zu begrenzen. Die Zusammensetzung geschieht nach festgelegten Regeln. Der Gewinn dieses Verfahrens wird gelegentlich mit einer schlechteren Lesbarkeit erkauft, von Sprechbarkeit ganz zu schweigen. Aus diesem Grund kennt REM weitere Namen, die unter Verwendung der Namensbestandteile des Kanonischen Namens, zum Beispiel durch Weglassung von Sonderzeichen, abgeleitet werden können.

Gemeinsame "Klammer" aller Namen eines REM-Elements ist sein REMID.

Kanonische Namen, insbesondere Relationsnamen, werden auf der Grundlage anderer Klassennamen (ursprünglich absoluter oder relativer Allgemeinbegriffe) durch Reihung gebildet:

Kreation.Titel.Sprache = Deutsch

Lies: "'Deutsch' spielt die Rolle einer Sprache eines Titels der Kreation (x)".

Der vollständige Name des Rollentyps lautet: "Kreation.Titel.Sprache". Das obige Beispiel zeigt, dass kanonische Namen trotz ihrer "programmiersprachlichen" Syntax nicht ohne weiteres eine navigierbare, eindeutige "Pfadleseweise" ermöglichen, die hier auch nicht notwendig ist bzw. erwünscht wäre: Kanonische Namen sollen lediglich eine terminologisch und syntaktisch kontrollierte Ausspezifizierung des REM-Modells bis zu dem jeweils erforderlichen Genauigkeitslevel gewährleisten:

Name => "Ein Name ist [...] Für alle Namen gilt [...]"
Sprache.Name => "Für alle Namen von Sprachen gilt [...]"
Titel.Sprache.Name => "Für alle Namen von Sprachen von Titeln gilt [...]"
Titel.Sprache => "Für Sprachen von Titeln gilt [...]"

NB: Die Kanonische Notation (s.u.) ermöglicht allerdings auch die Schreibung einer eindeutigen, funktionalen Folge (s. hierzu insbesondere REM_ARG_31): Kreation(1).Titel(1).Sprache(1).Name(1) = Deutsch

Kanonische Notation: Die Kanonische Notation des REM regelt die Bildung von Ausdrücken, unter anderem von Kanonischen Namen, durch die Festlegung von Schreibweisen, die die Art der Beziehung von Teilausdrücken verdeutlichen. Sie basiert auf Teilen der Syntaxregeln des Indecs-Framework (REM_RDK_5), die sie um einige Elemente ergänzt. Sie ähnelt in ihrem Zeichenvorrat und dessen Verwendung einer einfachen Scriptsprache, hat jedoch lediglich definitorische und informative Aufgaben.

REMID: Ein REMID ist ein regelwerkweit eindeutiger Identifikator fuer REM-Elemente. Er ist wie folgt aufgebaut: REM_{Typkennung, 3 Zeichen}_{Laufende Nummer}. Beispiel: Der REM.WB-Term "Entitaet" traegt den REMID "REM_TRM_1".
HinweisAlle Beispiele auf dieser Seite sind ad hoc formuliert und entstammen nicht in allen Fällen dem REM.WB.


+Regeln Kanonische Namen

+REM_ARG_1: Wahl des Namens
Kanonische Namen setzen sich, wo immer möglich, aus bereits vorhandenen Kanonischen Namen des REM.WB zusammen.

Zu den allgemeinen Regeln der Namenswahl s. REM_ARS_4

+REM_ARG_5: Komponentenfolge in zusammengesetzten Rollennamen
Bei zusammengesetzten Rollennamen, in denen ein einfacher Rollenname durch einen oder mehrere Typangaben qualifiziert wird, steht der Rollennamen rechts.

Beispiel korrekter Name: Kreation_Vorlage ("X spielt die Rolle der Vorlage und ist eine Kreation")

Beispiel falscher Name: Vorlage_Kreation ("X spielt die Rolle der Kreation und ist eine Vorlage")

Anmerkung 1 zur Regel: "Kreation_Vorlage" und "Vorlage_Kreation" bezeichnen dieselbe Klasse: die Klasse aller Kreationen, die Vorlagen sind. Für die Benennung einer Klasse spielt die Reihenfolge der Teile daher keine Rolle. In Rollennamen ist die Reihenfolge jedoch von Bedeutung, da in einem Namen aus zwei Rollenkomponenten der Bezug des Attributs zu seinem Träger undeutlich werden kann.

Anmerkung 2 zur Regel: Beide Varianten, Voran- und Nachstellung des Rollennamens, können in dem einen oder anderen Fall zu ungewohnten Kombinationen führen: Person_Produktionsbeteiligter, Redaktion_Produktionsbeteiligter vs. Titel_Haupt.

Regel übernommen aus: Indecs-Framework (REM_RDK_5)

+REM_ARG_9: Numerus
Bei der Bildung von KN wird grundsätzlich der Singular verwendet.

+REM_ARG_10: Genus
(Folgt)

+REM_ARG_11: Wortarten in Kanonischen Namen
Zwischen den Wortarten Substantiv, Verb und Adjektiv wird nicht unterschieden. Das heisst, "gruen", "gruenen" und (ein) "Gruenes" sind gleichbedeutend. Die Wortform kann von Fall zu Fall frei gewaehlt werden, ist dann allerdings beizubehalten.

+Regeln Kanonische Notation

+REM_ARG_2: KN: Auflösung von Umlauten
Umlaute sind aufzulösen.

Beispiel: "Entität" wird zu "Entitaet"

+REM_ARG_3: Großschreibung
Kanonische Namen und ihre Komponenten beginnen mit Großbuchstaben.

+REM_ARG_4: Abtrennung von Qualifikatoren
Bei Bildung einer Unterklasse bzw. Schnittmenge durch Zusammenfügung zweier Kanonischer Namen werden beide Namen durch Unterstrich getrennt. Vgl. REM_ARG_5

Beispiele: Blauer_Ball, Audio_Kreation

Regel übernommen aus: Indecs-Framework (REM_RDK_5)

+REM_ARG_6: KN: Ausdruck von Attributbeziehungen
Wird eine Unterklasse durch Eingrenzung einer Rolle auf einen bestimmten Definitionsbereich (domain) gebildet, so wird der ihr Name in folgender Form gebildet:

{Name des Nachbereichs der Relation}.{Name der Vorbereichs der Relation}

Beispiel: Kreation.Identifikator, Ein "Identifikator einer Kreation"

Die Relation "(ist) Identifikator (von)" hat den Vorbereich "Identifikator" und den Nachbereich "Entität"

Die Relation "(ist) Kreation.Identifikator (von)" hat den Vorbereich "Kreation.Identifikator" und den Nachbereich

Regel übernommen aus: Indecs-Framework (REM_RDK_5)

+REM_ARG_7: KN: Rangfolge der Verbindungszeichen
Die Rangfolge der Verbindungszeichen nach Bindungsstärke in absteigender Anordnung:
Doppelpunkt, Unterstrich, Verkettungszeichen ("Pipe"), Bindestrich, Punkt

Beispiele: Audio_Kreation.Identifikator

Richtige Lesart: "Ein Identifikator, der Attribut einer Audio_Kreation ist"

Falsche Lesart: "Ein Kreation.Identifikator, der ein Audio ist"

Kreation.Kreation-Typ

Richtige Lesart: "Ein Kreation-Typ, der Attribut einer Kreation ist"

Falsche Lesart: "Ein Typ einer Kreation, die Attribut einer Kreation ist"

DC:Titel.Sprache

Richtige Lesart: Eine Sprache eines Dublin Core-Titels

Falsche Lesart: Eine Dublin Core-Titelsprache

Sendung|Beitrag.Titel

Richtige Lesart: Der Titel einer Sendung oder eines Beitrags

Falsche Lesart: Eine Sendung oder ein Beitragstitel

+REM_ARG_8: KN: Brechung der Rangfolge der Verbindungszeichen
Entsteht bei der Kombination von Namenskomponenten gemaeß REM_ARG_4, REM_ARG_5 und REM_ARG_6 Mehrdeutigkeit, so wird die Eindeutigkeit durch Setzung eckiger Klammern hergestellt.

Beispiel: Eine bestimmte Form der Attributtypisierung fuehrt zu Mehrdeutigkeit:

Lokalisierung.[Medienobjekt.Archivnummer]_Komponente

Lokalisierung.[Seite.Nummer]_Komponente

Hier wird eine Adresse aus verschiedenen Identifikatoren gebildet, die bezueglich der Adresse die Rolle von Komponenten spielen - die Adresse besteht aus diesen Identifikatoren. Darueberhinaus gehoeren die Identifikatoren aber verschiedenen Typen an (Archivnummern von Medienobjekten, Seitennummern usw.)

Lesart ohne Klammerung: "Eine Lokalisierung hat eine Seite, die eine Komponente hat, die eine Nummer ist"

Lesart mit Klammerung: "Eine Lokalisierung hat eine Komponente, die die Nummer einer Seite ist"

[Audio|Video]_Kreation.Titel

Lesart ohne Klammerung: "Der Titel einer Videokreation oder eines Audios"

Lesart mit Klammerung: "Der Titel einer Audio- oder einer Videokreation"

Regel übernommen aus: Indecs-Framework (REM_RDK_5) (modifiziert)

Anmerkung: REM_ARG_8 ist eine der Regeln, die die Entschlüsselbarkeit von KN sichert, sie aber gleichzeitig sperrig macht (s.o.)

+REM_ARG_29: Gezaehlte Attributtypen
Werden mehrere Attributtypen desselben Rollentyps benötigt, sollen ihre Namen unter Verwendung des Rollentyps und einer fortlaufenden Zählung nach folgendem Muster gebildet werden: [Rollentyp.Name].[Nummer]

Beispiel: In einem bestimmten Anwendungsprofil sollen Dokumentationseinheiten zu Kreationen zwei Gattungsattribute zweierlei Typs beinhalten. Diese Gattungstypen werden wesentlich über ihre gewachsene Repraesentantenmengen bestimmt; eine andere definitorische Abgrenzung ist nicht präzis möglich. In diesem Fall soll nicht eine künstliche Verkomplizierung der Terminologie, sondern eine Aufzählungsform gewählt werden:

Kreation.Gattung.1
Kreation.Gattung.2

+REM_ARG_30: Bildung abgeleiteter Attributnamen
Ein Attributtyp, der über eine über die Vorgaben des REM.WB hinausgehende Einschränkung gebildet wird, kann mit einem neuen Term oder durch Verknüpfung der Namen des eingeschränkten Typs und des Typs gebildet werden, dem der Attributtyp zugeordnet ist.
In diesem Fall wird der Attributtypname nachgestellt und durch Bindestrich abgetrennt.

Beispiel: Der Term "Kreation.Typ" bezeichnet unterschiedslos alle Kreationstypen: Gattungen, Komponenten- und Kompositumtypen usw.
Soll ein Typ gebildet werden, der bestimmte - aufzählbare oder spezifizierbare - Elemente enthält, kann zu seiner Benennung ein neuer Term eingeführt werden:

Kreation.Gattung

Oder es können "Kreation" und "Typ" durch Bindestrich verknüpft werden:

Kreation-Typ

Dieses Verfahren kann ggf. mit einer Zählung kombiniert werden (REM_ARG_29).

Kreation-Typ.1
Kreation-Typ.2

+REM_ARG_31: Benennung von Individuen
Individuen werden durch eine Zeichenfolge in Hochkommata oder einen Zähler oder einen REMterm in runden Klammern adressiert, die dem Klassennamen nachgestellt sind.

Beispiel:
Kreation.Komponist("Mozart, Wolfgang Amadeus").Geburt.Tag.Datum

Kreation.Titel(1).Sprache

Erzeugung.Initiative-Typ(Auftrag)

+REM_ARG_32: Angabe von Namensräumen
Das Wörterbuch, dem ein externer Term entnommen ist, wird durch einen dem Term vorangestellten und mit Doppelpunkt abgetrennten Wörterbuchidentifikator angegeben.

Beispiel:

"DC:Title" zeigt an, dass der Term "Title" im Sinne des Dublin Core verwendet wird.

Gegebenenfalls sind Klammern zur Wahrung der Eindeutigkeit zu verwenden.

Regel übernommen aus: Indecs-Framework (REM_RDK_5)

+REM_ARG_33: Kürzung von Kanonischen Namen im Namensraum (Kürzungsregel 1)
Kanonische Namen können im Kontext ihres Namensraums gekürzt werden.

Diese Regel gilt nicht für das REM.WB.

Beispiel: "Sendung.Titel" kann im einem Sendungs-Kontext zu "Titel" gekürzt werden. Hierbei ist allerdings darauf zu achten, dass nicht durch etwaige geerbte Attribute Namensgleichheit innerhalb desselben Namensraums entsteht (Beispiel: "Sendung" erbt ein Attribut "Titel" von der ihr übergeordneten "Kreation").

+REM_ARG_34: Kürzung von definitorischen Rollen (Kürzungsregel 2)
Der Name einer Rolle kann in folgenden Fällen um ihren Rollentyp-Anteil gekürzt werden:

Fall 1: Rollentyp und Typ fallen zusammen
Beispiel: "Kreation.Identifikator_Identifikator" wird zu "Kreation.Identifikator"

Fall 2: Das Relatum kann bzw. wird mit Sicherheit stets nur in einiger einzigen Attribut-Relation zu seiner Entität stehen. (Dieser Fall ist selten.)

Beispiel: "Adresse.Strassenname_Komponente". Der Straßenname steht in der Komponenten-Relation zur Adresse; eine andere Relation zwischen Straßennamen und Adressen wird ausgeschlossen. In diesem Fall kann gesetzt werden: "Adresse.Strassenname"

Die Kürzungsregel gilt im Fall 1 nicht für das REM.WB.

+REM_ARG_35: Umgang mit Nicht-REM.WB-Komponenten
Komposita, die sich ganz oder teilweise aus Termen zusammensetzen, die nicht Teil des REM.WB sind, werden nicht durch Trennzeichen, sondern durch Binnengroßschreibung gegliedert.

Beispiel:
Medienobjekt.TechnischeAbnahme
Medienobjekt.RedaktionelleAbnahme

"Abnahme" ist Teil von REM.WB, "Technische" bzw. "Technik" (vgl. REM_ARG_11) nicht.
Wäre "(die) Technik" als Organisationsbereichstyp von Rundfunkanstalten REM.WB bekannt, wäre eine Benennung in folgender Form möglich: "Technik_Abnehmer.Abnahme". Da dies nicht der Fall ist, werden wie oben die beiden Terme zusammengezogen und durch Binnenmajuskel voneinander abgesetzt.

+REM_ARG_36: Sonder- und Leerzeichen
Kanonische Namen dürfen nur alpanumerische und die in REM_ARS_1 spezifizierten Sonderzeichen enthalten. Leerzeichen sind nicht zulässig.

+REM_ARG_37: Abtrennung von Attributtypen von Ausdruckskomponenten
Attributtypen von Klassen, deren Namen in einem kanonischen Ausdruck verwendet werden, sind durch Rechtspfeil (Bindestrich + schließende spitze Klammer) abzutrennen.

Beispiel:
Kreation(1).Klasse->Anzahl = 100
Lies: Die Anzahl der Elemente aller Klassen, die Attribut von Kreation(1) sind, ist 100

Kreation(1).Klasse(1)->Anzahl = 12
Lies: Die Anzahl der Elemente der Klasse(1), die Attribut von Kreation(1) ist, ist 12

+REM_ARG_37: Vereinigungsklassen
Die Vereinigung zweier Klassen wird in durch einen senkrechten Strich (Verkettungszeichen, Pipe) ausgedrückt.

Beispiele:
Sendung|Beitrag
Lies: Sendung oder Beitrag

Sendung|Beitrag.Titel
Lies: Der Titel einer Sendung oder eines Beitrags

Beispiel:
[Wort|Musik]_Kreation
Lies: Eine Wort- oder eine Musikkreation


Letzte Aktualisierung: 2009-04-15 18:34:39, Michael Hafner

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